Alte Tradition bei Sonnenschein wieder belebt

Flurbegehung wird zur Begegnung an Christi Himmelfahrt

 

Für viele war der diesjährige 17. Mai eine willkommene "Verschnaufpause" und wohl auch Anlass zum Einlegen eines Brückentages. Die meisten katholischen und evangelischen Christen feierten am Vormittag des 40. Tages nach Ostern das Fest Christi Himmelfahrt. Nach der Apostelgeschichte ist überliefert, daß Jesus 40 Tage nach Ostern in Jerusalem vor den Augen der Apostel von einer Wolke in den Himmel aufgehoben wurde. Warum allerdings der volkstümliche “Vatertag” auch an diesem christlichen Feiertag in Deutschland gefeiert wird, ist unklar. Es könnte sein, dass die aus der Tradition stammenden Flurprozessionen, die am Himmelfahrtstag stattfanden, sich vor einiger Zeit von ihrem religiösen Charakter befreit haben. Interessanterweise wird der “Vatertag” in anderen Ländern (z.B. in den USA und in Großbritannien) erst am dritten Sonntag im Juni begangen.

Wie dem auch sei, Christen aus den katholischen und evangelischen Nachbargemeinden trafen sich dieses Jahr in der Arnbacher Lutherkirche, um von dort unter der Führung von Pfarrer Nothelfer und Pfarrer Maisenbacher über die Wiesen und Felder zu ziehen. Diese ungewohnte und zudem ökumenische Form des Gottesdienstes zum Himmelfahrtstag ließ eine alte Tradition, die Flurprozession (“walk and pray”), wieder aufleben. Wie Pfarrer Nothelfer in seiner Einführung berichtete, wurden in der Vergangenheit bereits die drei Tage vor Christi Himmelfahrt als Bitttage mit sog. Bittprozessionen begangen, die am Himmelfahrtstag mit Feldumgängen als Fürbitte um eine gute Ernte ihren Höhepunkt erreichten. Nach dem Eingangslied und einem Gebet verließ die etwa 70 Personen starke Gemeinde die Kirche, um von Ministranten und dem Kreuz angeführt, bei strahlendem Sonnenschein die Flurbegehung zu beginnen. Mit Bibelworten, Gebeten und Gesang (musikalisch unterstützt mit Trompete bzw. Gitarre gespielt von Stefan Werner) wurde an vier Haltepunkten um Gottes Segen gebeten. Die Themen an den einzelnen Stationen beinhalteten Dank und Segen für unsere Arbeit, das tägliche Brot, die Sicherheit auf der Straße und die Bitte um den Heiligen Geist. Nach etwa 70 minütigem Fußmarsch rund um das Arnbacher Gewann "Laier", dem Herzen des Kirschengäus, fand man sich zum Schlussgebet wieder vor der Lutherkirche ein. Alle Teilnehmer waren von diesem, etwas anderen Gottesdienst anerkennend erstaunt; Gemeindeglieder benachbarter Ortschaften von beiden christlichen Konfessionen begegneten sich und kamen zusammen, um Gott die Ehre zu geben. Gottes Entscheidungen und Pläne sind eben für uns so oft unbegreiflich; auch Martin Luther wusste: “Durch das Anrufen und Bitten wird der Name Gottes geehrt und nützlich gebraucht.”