Werte heute: Keine Eintracht in der Vielfalt?

 

Am Sonntag zur Sommerwende (22. Juni) lud die evangelische Kirchengemeinde wieder zum Impulsgottesdienst in die Lutherkirche ein. Dass dieser etwas aus dem gewohnten Rahmen fiel, lag mitunter auch am gegenwartsnahen Thema „Wert(e)voll leben“. Obwohl Werte theoretische und nicht greifbare Konzepte darstellen, so geben sie uns doch eine innere Orientierung und können als Fundament und Kompass unseres Lebens dienen. Was lag also näher als diesen Anlass zu einem pädagogischen Impuls zu machen und insbesondere auch Erzieher/innen und Lehrer/innen aus dem Umkreis zu begrüßen, die der Einladung des Schuldekans, Thorsten Trautwein, für die Bezirke Neuenbürg, Calw und Nagold gefolgt waren.

Vor gut gefüllten Bänken wusste der Schuldekan in verständlicher Weise über das Thema zu referieren, indem er zunächst Werte definierte und dann auch deren Zwiespältigkeit in der heutigen Zeit hervorhob. Wie die zwei Seiten einer Medaille so wird heutzutage deutlich, dass unsere Gesellschaft durch eine zunehmende Individualisierung gekennzeichnet ist, die gleichzeitig eine große Vielfalt der Werte mit sich bringt. In unserer Spaß- und Konsumgesellschaft scheint es also keine eindeutigen Werte mehr zu geben. Dies wurde auch im Anspiel übermittelt, das von Familie Kessler in unterhaltsamer als auch nachdenklicher Art und Weise als Einführung in das Thema arrangiert und vorgetragen wurde und auf das sich Schuldekan Trautwein als Verdeutlichung seiner Ausführungen und Anregungen wiederholt beziehen konnte. Als Folge des Wertevielfalts sind u.a. pädagogische Strategien notwendig, die ein Zusammenkommen und Zusammenleben von Einzelnen unterschiedlicher kultureller Herkunft und verschiedener Milieus ermöglichen. Hier werden besondere Herausforderungen auf unsere Lehrkräfte in Kindergärten und Schulen zukommen.

Anhand von Beispielen erinnerte uns Schuldekan Trautwein an christliche Werte. Die 10 Gebote stellen Leitlinien für unser Leben dar, die unsere Freiheit erhalten und schützen wollen. So entlastet uns z.B. das erste Gebot auch darin, dass der Mensch nicht Gott nachahmen muss, indem er für alles Verantwortung übernimmt. Es warnt uns auch vor dem, was oder wen wir zum Gott machen. Sind es Dinge, die uns die Freiheit nehmen und uns abhängig machen wollen? Auch die Heiligung des Feiertages ist ein Geschenk an uns, damit wir unsere „Batterien wieder aufladen“ und uns neu orientieren und Inspiration aus der Begegnung mit Gott und der Gemeinschaft der Gläubigen ziehen können – das ist mehr als bloß ausruhen. Aber wie können wir unseren Glauben weitergeben? Es ist nicht immer einfach, die Freude und die Kostbarkeit unseres Glaubens vorzuleben. Wie wichtig und wertvoll ist doch der Glaube, auch wenn’s mal keinen Spaß macht. Alle wertvollen Dinge – so auch der Glaube – kosten uns einiges bis wir sie wirklich in Besitz nehmen und unser Eigen nennen können.

Ein kostbarer Rückhalt im Gottesdienst stellte auch der Impulschor dar, der unter musikalischer Begleitung von Manuel Gaiser die Gemeinde beim Singen tatkräftig unterstützte. Wie immer waren die Teilnehmer des Gottesdienstes zum anschließenden Mittagessen und zu weiteren Gesprächen in den Gemeindesaal eingeladen.