Läßt uns Christen das Thema “Globalisierung” kalt?

Lag es am Termin, an einer arbeitsreichen Woche oder gar am Fußballländerspiel? Jedenfalls hatte der erfrischende und anwendungsorientierte Vortrag über die Bedeutung der Globalisierung für Christen von Diakon Matthias Hiller vom Dienst für Mission, Ökumene und Entwicklung der württembergischen Landeskirche mehr Zuhörer verdient. Es sei dem Arnbacher Frauensingkreis unter der Leitung von Frau Weiß-Schaal herzlich gedankt, dass er nicht nur zum Auftakt des Abends passend beitrug, sondern auch die Zuhörerschaft auf fast 30 Personen anhob.

 

Eigentlich denkt man bei diesem Thema gleich an Internet, E-Mail, Facebook oder Ähnliches. Doch weit gefehlt - schon Julius Caesar hat mit geschicktem System im weitesten Sinne die Regeln, die der Globalisierung zugrunde liegen, erfolgreich angewandt. Mitten im Winter (am 10. Januar 49 v.Chr.) überschritt Julius Casear mit seinen Truppen den Fluss Rubikon in Richtung Rom. Diese überraschende Aktion löste nicht nur den Bürgerkrieg aus (bedeutete also die Kriegserklärung an den römischen Senat), sondern war zugleich eine wohlvorbereitete Operation, aus der Caesar letztendlich als Sieger hervorging und zur Herstellung eines Weltreiches führte. Dabei waren seine Fertigkeiten was Kommunikation, Handel und Nachschub angehen von entscheidender Bedeutung. Das Händler- und Seefahrervolk der Phönizier (im Bereich des heutigen Libanons und Syriens an der Mittelmeerküste) spielte dabei keine geringe Rolle. Auch die Niederländische Ostindien-Kompanie (gegründet am 20. März 1602 durch den Zusammenschluss niederländischer Kaufmannskompanien) kam zu Hoheitsrechten und Handelsmonopolen, die im 17. und 18. Jahrhundert viele europäische Nationalstaaten ins Abseits drängte. Ein Empfehlungsschreiben dieser Handelsmacht (also nicht von einer Regierungsbehörde) reichte aus, um ein uneingeschränktes Vorgehen im indischen Subkontinent zu gewährleisten.

 

 

Zwei Kennzeichen der Globalisierung sind daher maßgebend:

(1) Waren, Dienstleistungen und Kommunikation werden außergewöhnlich schnell bewerkstelligt und ausgetauscht, woraus sich letztendlich (2) die Wirtschaft in eine solch starke Macht entwickelt, dass der Nationalstaat das Nachsehen hat.

 

Der heutige technologische Fortschritt führt so u.a. dazu, dass Äpfel aus Chile oder Wein aus Australien zu etwa demselben Preis wie die entsprechenden deutschen Erzeugnisse in unseren Supermärkten angeboten werden. Und das obwohl die einen nur wenige, die anderen Waren hingegen 30 000 km und mehr bis zur Ankunft in unseren Regalen unterwegs waren. Wie ist das möglich? Nun, mit der Erfindung von Containerschiffen, die mit verdrecktem, unglaublich billigem und steuerfreiem Schiffsdiesel angetrieben werden, ist der weltweite Seetransport mittlerweile so günstig, dass der nationale Transport finanziell nicht mehr mithalten kann. Ein weiteres Beispiel für eine uneingeschränkt marktbeherrschende Stellung findet man bei Erdnüssen. Während die USA und China in der Europäischen Union ein Import-Monopol besitzen, dürfen Afrikanische Erdnüsse nicht in die EU eingeführt werden. Warum? An der Qualität der Erdnüsse kann es eigentlich nicht liegen, denn die Amerikanische Erdnuss stammt ursprünglich aus Afrika. Die Interessengruppen in den USA (und in China) sind allerdings so stark und einflussreich, dass die EU Gesetze erlassen musste, die den Import von Erdnüssen aus anderen Ländern verbietet. Als Grund hört man die Bedingung, dass großflächiger Anbau (eine Voraussetzung, die in Afrika bislang nicht zu schaffen ist) mit besserer Qualität verbunden wäre - also die Abweisung Afrikanischer Erdnüsse geschieht offensichtlich unter dem Deckmantel des Verbraucherschutzes.

 

 

Mit solchen Herausforderungen sollten wir uns nicht nur als Christen auseinandersetzen. Wie steht es aber mit einer christlichen Famile, die in Chile Äpfel produziert und weit weniger verdient? Ist sie nicht genauso wertvoll wie die hiesigen Familien? Wie kommt es, dass in Deutschland Fair-Trade-Waren weit weniger unterstützt werden als z.B. in anderen europäischen Ländern?

Wir haben als Verbraucher einen entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaftsmärkte. Wir entscheiden mit dem was wir kaufen, ob Menschen davon leben können und ob unsere Umwelt und zukünftige Generationen damit klarkommen werden. Als Christen stehen wir unter einer Verantwortung, sollten uns daher informieren und einen fairen und ökologischen Handel fördern. Gott sorgt dafür, dass wir der Weltgeschichte nicht schutzlos ausgeliefert sind. Wir dürfen allerdings nicht vergessen, dass wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen (Lukas 12, 48).